Was Sie wissen sollten

In den letzten Monaten wurden immer wieder Gegenstimmen laut, die versuchen den Bau der Route 57 zu verhindern. Wir wollen an dieser Stelle Behauptungen aufgreifen, die nicht der Wahrheit entsprechen und diese entkräften.

Behauptung: 900.000 Menschen sind gegen die A4.
Tatsächlich: Hier geht es nicht um die A4! Es wohnen annähernd 248.000 Menschen im Kreis Siegen-Wittgenstein, von denen mit Sicherheit sehr viele für eine bessere Anbindung Wittgensteins an das Siegerland sind. Die Meinung von mindestens 600.000 weiteren Menschen ist damit ungeklärt.

Behauptung: Die Region ist gegen die Straßenbaupläne.
Tatsächlich: Bisher hat niemand eine Befragung aller Siegerländer und Wittgensteiner durchgeführt. Der Erfolg der Unterschriftenaktion, bei der sich in kurzer Zeit mehr als 12.000 Menschen für die Route 57 ausgesprochen haben, spricht aber dafür, dass sich sehr viele Menschen für das Projekt einsetzen. Die schweigende Mehrheit ist für eine bessere Straßenverbindung zwischen Siegerland und Wittgenstein.

Behauptung: Hier wird die A4 durch die Hintertür realisiert.
Tatsache: Was jetzt diskutiert wird, hat mit A4 oder auch der Ferndorf-Eder-Lahn-Straße FELS nichts zu tun! Hier soll eine Kette von Ortsumgehungen entstehen, die den Verkehr entstört und die Anwohner wieder ruhig schlafen lässt. Damit wird die Verbindung nach Wittgenstein nicht nur schneller, sondern auch weniger umweltbelastend.

Behauptung: Die Route 57 zerschneidet ökologisch wertvolle Gebiete, die zum Teil durch die FFH-Richtlinie geschützt sind.
Tatsache: Wenn wirklich wichtige Naturschutzbereiche von der Planung betroffen sind, sorgen gesetzlich festgelegte Maßnahmen für einen Ausgleich. Im ungünstigsten Fall kann gegen starken Naturschutz eine Straße unter Umständen eben nicht gebaut werden. Diese Fragen werden intensiv untersucht und abgewogen. Das ist auch gesetzlich vorgeschrieben.

Behauptung: Auf die Unterzeichner wurde in ihren Betrieben Druck ausgeübt.
Tatsächlich: Wer das behauptet, unterschätzt das Selbstbewusstsein der Beschäftigten und ihrer Betriebsräte enorm. Und dass Betriebsräte Kollegen unter Druck setzen, wäre doch relativ neu.

Behauptung: IHK und DGB bilden eine "unheilige Allianz".
Tatsächlich: IHK und Gewerkschaften ziehen immer am selben Strang, wenn es um den Erhalt von Unternehmen und Arbeitsplätzen geht. Jeder hat dabei seine Prioritäten. Im Ergebnis glauben IHK und Gewerkschaften aber, dass eine bessere Verkehrsanbindung für jeden in den Unternehmen einen Vorteil darstellt. Diese Unternehmen stehen im Wettbewerb mit Unternehmen, die dahin gezogen sind, wo wenig Menschen wohnen, aber dafür die Autobahn vor der Haustür liegt.

Behauptung: Die Route 57 verbraucht enorm viel Landschaft.
Tatsache: Die Route 57 besteht aus mehreren völlig neuen Ortsumgehungen, ist also keine neue, mehrspurige Autobahntrasse. In vielen Varianten muss die Route 57 aber noch genau geplant werden. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger als, dass wir solche Fragen noch nicht beantworten können. Nur eines steht fest: Gegenüber dem unverhältnismäßig großen Landschaftsverbrauch des A4-Lückenschlusses wird die Route 57 sehr schonend sein. So gesehen hätten die Bürgerinitiativen der vergangenen 30 Jahre ihr Ziel bereits erreicht.

Behauptung: Die Deutsche Bahn sollte ihre Anbindung nach Wittgenstein verbessern und die Logistikprobleme der Unternehmen lösen helfen. Kein "Just in Time" mehr für die Unternehmen.
Tatsache: Das kann die Bahn nicht alleine lösen. Die Logistik zum Beispiel der Autozulieferer sieht in der Regel die Abholung durch eigene Gebietsspediteure vor. Hierfür ist die Bahn nicht flexibel genug. Viele Unternehmen wären auch mit einem verbesserten Bahnanschluss weiter auf Lastwagen angewiesen. Und ohne Lieferungen Just in Time stehen Unternehmen vor dem Aus. Wie das funktionieren soll, müssten die Initiativen gegen den Straßenbau mal erklären.

Behauptung: Wirtschaftsinteressen gehen vor Umweltinteressen.
Tatsache: Naturschutz wird zu einem enormen Teil aus Steuermitteln finanziert, die zu einem ebenfalls erheblichen Teil von der Wirtschaft aufgebracht werden. Das ist in unserer Kulturlandschaft von enormer Bedeutung. Siegerländer und Wittgensteiner Unternehmen investieren auch im eigenen Haus erhebliche Summen in Umweltschutzmaßnahmen. Fazit: Die Erkenntnis, dass Wirtschaft nicht ohne Umweltschutz funktioniert, ist in den Betrieben lange angekommen. Deshalb ist auch die ökologische Wirkung einer Route 57 zu überprüfen. Ein reibungsloser Verkehr kann gegenüber einem Dauerstau in den Siegerländer und Wittgensteiner Ortschaften viele Vorteile bieten.

Behauptung: Die Natur im Rothaargebirge wird zerstört.
Tatsache: Auch bei den Straßenbefürwortern weiß man sehr genau, welchen Schatz die Natur im Rothaargebirge darstellt. Es wäre leichtfertig, nicht so zu planen, dass diese Natur weitestgehend erhalten wird. Um es ökonomisch zu formulieren: Am Tourismus hängen ebenfalls viele Arbeitsplätze, die auch ein Anrecht haben, erhalten zu werden.

Behauptung: Wittgenstein benötigt diese Strecke nicht.
Tatsache: In Wittgenstein gibt es Firmen von Weltruf, die in An- und Auslieferung ihrer Produkte auf Präzision setzen. Mit den derzeitigen Straßenverhältnissen ist das schwer genug. Mit der Bahn, die bei weitem nicht flexibel auf die Anforderungen dieser Unternehmen reagieren kann, ist das nicht möglich. Oft bleiben die Unternehmen trotz aller Schwierigkeiten in Wittgenstein, weil sie sich ihren Mitarbeitern und der Region verbunden fühlen. Auch Kliniken und Tourismusbetriebe leben von der Erreichbarkeit ihrer Angebote. Um es mit dem Wittgensteiner Bauunternehmer Bernd Berge zu formulieren: "Wir wollen nicht nur Geld verdienen, sondern auch, dass unsere Mitarbeiter abends rechtzeitig wieder bei ihren Familien sind".

Behauptung: Die "Eichenpflanzer" sind ideologisch verbohrt.
Tatsache: Bürger sind heute selbstbewusster als vor vierzig Jahren. Man muss sich einschalten, sich auch wehren, wenn es nötig ist. Man muss vor allem nachfragen, worum es geht, zumal bei einem solch komplexen Thema wie der Route 57. Uns stört aber, dass auf den Internetseiten der Nordsiegerländer Straßengegner heute immer noch von A4, "A4 light" oder FELS die Rede ist. Da wird über die Themen von gestern geschimpft. Über die Route 57 setzen wir uns gerne auseinander – aber dann über die aktuellen Tatsachen. Die A4 ist ein Fall für das Historische Seminar.

Behauptung: Die neue Trasse wird Teil einer Fernverkehrsstraße von Paris nach Warschau.
Tatsache: Für die Einpendler aus Paris nach Ruckersfeld benötigen wir nach derzeitigen Erhebungen keine Trasse. Abgesehen davon: Das Argument entfällt allein schon dadurch, dass es auch auf hessischer Seite keine A4-Fortsetzung geben wird.

Behauptung: Die Straße wird erst 2025 fertiggestellt.
Tatsache: Das kann heute keiner prophezeien. Der Planungsstand in Düsseldorf ist aber so, dass es auch sehr viel schneller gehen kann – und genau das will die Initiative Route 57.

Behauptung: Die Planungen sind aus Sicht des Ministeriums eingestellt.
Tatsache: Die Planungen bezüglich der A4 sind seit Jahren eingestellt. Die Ortsumgehungen sind nach wie vor im Bundesverkehrswegeplan. Hier gibt es einen klaren, rechtlich abgesicherten Auftrag. Dieser Auftrag muss erfüllt werden und darf nicht aufgrund politischer Bauchgefühle in ferne Zukunft verschoben werden.

Behauptung: Die Ortsumgehungen sind Teil einer weitgehend kreuzungsfreien Autostraße, die mittelfristig Teil einer Ost-West-Verbindung werden kann.
Tatsache: Die Überprüfung eines Korridors auf Fernstraßeneignung ist Geschichte. Es geht jetzt, nach dem Aus für den A4-Lückenschluss, darum, wie die Menschen in Ferndorf, Allenbach, Hilchenbach und Erndtebrück möglichst effektiv geschützt werden können.